Besuch der Lesung Sally Perel

Für die Zukunft aus der Geschichte lernen: Besuch der Lesung vom jüdischen Hitlerjungen Sally Perel im Ratsgymnasium

Von MARIA MÜHLENBROCK

Rheda-Wiedenbrück (ebr). Lebendig und zugleich mucksmäuschenstill wurde es, als die Klasse 10b der Lesung des Holocaust-Überlebenden Sally Perel beiwohnte.
Seine Geschichte liest sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Filmes: In der Uniform der Hitlerjugend hat der aus Peine in Niedersachsen stammende Jude die Zeit der Nazi-Diktatur und des Holocaust überlebt. Heute hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine unglaubliche Geschichte – vor allem Jugendlichen - zu erzählen.

In der Aula des Ratsgymnasiums Wiedenbrück berichtete der heute 82-jährige von seiner bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten glücklichen Kindheit, von der Flucht seiner Familie in den Osten, wo er schließlich von seinen Eltern und seinem Bruder getrennt wurde. Nur mit der Lüge, ein „Volksdeutscher“ zu sein, erging er der Ermordung durch deutsche Truppen. Schließlich gelangte er als Hitlerjunge auf eine HJ-Schule in Braunschweig, wo er das Kriegsende erlebte.

Heute lebt Sally Perel in Israel und kommt regelmäßig zu solchen Lesereihen nach Deutschland.

Beeindruckend war nicht nur die Geschichte an sich, sondern auch und vor allem der Mensch Sally Perel. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Verfolgung, die er durch Deutsche erlitten hat, geht er mit einer Herzlichkeit auf die Menschen zu, die verblüfft und mit der er es schafft, die Aufmerksamkeit und das Interesse seiner meist jugendlichen Zuhörer zu erlangen. Keine noch so gut geplante und durchgeführte Geschichtsstunde kann die Brutalität und das Absurde dieser Zeit in solch eindringlicher Weise veranschaulichen wie die persönlichen Darstellungen dieses Zeitzeugen. Dass es trotz des Terrors auch noch Momente der Menschlichkeit gab, auch das wurde deutlich, als Sally Perel von einem Soldaten erzählte, der seine wahre „Herkunft“ herausfand und ihn nicht verriet.

Sein Anliegen, gerade die junge Generation über die Zeit des Nationalsozialismus zu informieren verbunden mit dem Appell, es nie wieder so weit kommen zu lassen, hat die Schülerinnen und Schüler nachhaltig erreicht. Es zeigt, wie wichtig es ist, Schule und Unterricht nicht nur auf den Klassenraum zu beschränken.


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