Besuch der JVA Brackwede

Sind Strafen sinnvoll? - 9'er Religionskurs der Ernst-Barlach- Realschule besucht die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede

Von LUCIA BUSCHMEIER-VOLKE

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld-Brackwede (ebr). „Man darf hier alles verlieren - nur seinen Schlüssel nicht!“, erklärt Gefängnispfarrer Schulte den Schülerinnen und Schülern des Religionskurses der EBR.
Sind Strafen sinnvoll? Das war die Frage, mit denen sich die Schüler und ihre Religionslehrerin Frau Buschmeier im Unterricht beschäftigt hatten. Der Besuch in der JVA Brackwede bot ihnen einen aufschlussreichen Einblick in das „Leben hinter Gittern“.

Den Schlüsselbund mit einer Vielzahl an klappernden, großen Schlüsseln legt Pfarrer Schulte kaum aus der Hand. Mit ihm schließt er die Gruppe durch unzählige Gänge – so wie man es aus Filmen kennt.
Doch dann ist es auch wieder nicht, wie es das Fernsehen suggeriert. Die Schüler versammeln sich in der Gefängniskirche, die jedes Wochenende gut besucht wird. Es ist ruhig, auf dem Flur ist kaum jemand zu sehen. „An Wochentagen ist das ganz anders, da herrscht mehr Leben im Gebäude durch Gefangene, die zu ihrer Arbeitsstelle gehen – wenn sie das Glück haben, einen Arbeitsplatz zu bekommen.“ Das ist jedoch nur für etwa die Hälfte der knapp 600 Gefangenen möglich. Der Rest verbringt 23 Stunden des Tages in ihrer etwa acht Quadratmeter großen Zelle, einschließlich Toilette und manchmal auch mit einem Zimmergenossen. An Privatsphäre ist da nicht zu denken – andererseits sind alle, die dort inhaftiert sind, auf die eine oder andere Weise mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. „Es gibt hier Gefangene, die kann man nicht mehr in die Gesellschaft entlassen, da sie eine Gefahr für andere darstellen“, erklärt Pfarrer Schulte. Dennoch hat jeder „Fall“ seine eigene Geschichte, die ihn dorthin gebracht hat, wo er sich jetzt befindet.

Und dann stellt sie sich wieder, die Frage: Sind Strafen sinnvoll? In der Schlussdiskussion bemerkt ein Schüler, dass diese Art von Strafe nicht hart genug sei – immerhin haben die Inhaftierten die Möglichkeit, Fernsehen zu schauen, Musik zu hören oder zu lesen.
Eine zufriedenstellende Antwort kann niemand geben. Dass Strafen notwendig sind, bestreitet niemand. Inwiefern sie sinnvoll sind - sowohl mit Blick auf die Täter als auch auf die Opfer - bleibt offen.


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